Kastler Festspiele 
(nach Hermann Römer)

Wenn am Freitag, den 5. Juli die Fanfaren die Spielsaison 2013 eröffnen, künden sie nicht nur die 9. Spielzeit der Schweppermannspiele an, sondern sie lassen auch auf 60 Jahre Kastler Freilichtspiele zurückschauen, die im Jahre 1953 ins Leben gerufen wurden.
Doch Pläne für Kastler Festspiele gab es schon viel früher.
Sie entsprangen wahrscheinlich einer Trotzreaktion auf Schweppermannspiele in Lauterhofen im Jahre 1925 und in den Folgejahren bis 1933 anlässlich der zwölfhundert Jahrfeier des Marktes Lauterhofen. Pfarrer Jakob Haffner hatte ein kurzes Festspiel geschrieben, das sich mit dem Leben Seyfried Schweppermanns als Feldhauptmann König Ludwigs befasste. Er soll ja aus Hüllohe stammen, das zum Gemeindebereich von Lauterhofen gehört. Also war er – nach Ansicht von Pfarrer Haffner und von vielen Lauterhofener Bürgern – ein Sohn Lauterhofens.

Das Spiel trug den Titel:
„Seyfried Schweppermann, der Feldhauptmann Ludwigs des Bayern“
(Historisches Volksspiel in drei Abteilungen)

Kurz der Inhalt:

Im ersten Aufzug wird Schweppermann durch einen Boten König Ludwigs für die Schlacht gegen die Österreicher gewonnen. Er sammelt seine Getreuen um sich und zieht gegen den Willen seiner Frau mit 65 Jahren noch einmal in den Krieg.
Der zweite Aufzug schildert den Verlauf des Krieges, erzählt von Albrecht von Rindsmaul, die Rückkehr des siegreichen Schweppermann aus der Schlacht und den Empfang durch seine Frau Katharina auf Schloss Thierenstein.
Nach einer Siegesfeier im Kloster Kastl – ausführlich geschildert von einem Teilnehmer - besucht König Ludwig im 3. Aufzug das Schloss Thierenstein. Er gewährt dem Markt Lauterhofen besondere Rechte und ehrt Seyfried wegen seiner großen Verdienste in der Schlacht und belehnt ihn mit der Feste Deinschwang bei Altdorf.

Szene aus dem Spiel in Lauterhofen: Kaiser Ludwig aus Schloss Thierenstein

Diese Spiele in Lauterhofen wollten die Kastler, in deren Mauern Seyfried Schweppermann seine letzte Ruhestätte gefunden, nicht so ohne weiteres hinnehmen. Georg Wiedenbauer, ein Gymnasialprofessor und begeisterter Heimatforscher, verfasste 1936/37 den Text für ein Heimatspiel in Kastl.

"Der Kaiser und sein Feldhauptmann"
(Schauspiel in 3 Aufzügen)
Zum Gedächtnis an den Nordgaurecken Seyfried Schweppermann, gest. 1337

Vom Inhalt her unterschied es sich einschneidend von der jetzigen Fassung und vom Text des Festspieles in Lauterhofen.
Der erste Aufzug führt uns im ersten Bild ins Jahr 1322 (Ende Juli) in die Residenz Kaiser Ludwigs in München. Sein Kanzler unterrichtet ihn von dem erneutem Aufflackern der Streitigkeiten mit Friedrich von Österreich. Auch der eintreffende Burggraf von Nürnberg warnt vor der Übermacht und schlägt Seyfried Schweppermann als Feldhauptmann für das kaiserliche Heer vor - Auf der Schweppermannsburg zu Grünsberg wird Schweppermann im zweiten Bild vom Burggrafen von Nürnberg durch ein kaiserliches Handschreiben über seine Berufung informiert. Er rüstet sich mit seinen Söhnen und seinem Schwager Konrad Rindsmaul gegen den Willen seiner Frau Kathrein für den Weg in die Schlacht.
Der zweite Aufzug zeigt uns das kaiserliche Feldlager bei Mühldorf am 28. September 1322. Kundschafter schildern die Greueltaten durch das Heer Friedrichs und geben so immer mehr Anlässe, die eigenen Truppen zur Tapferkeit zu mahnen. Als dann die Schlacht im Gange ist, lassen Berichte von verschiedenen Kundschaftern den Verlauf des Kampfes miterleben. - die sich abzeichnende Niederlage und die überraschende Wende zum Sieg. Auch die Gefangennahme Friedrichs und die berühmte Eierszene sind Teil dieses Aufzuges.
Der dritte Aufzug schildert das Siegesfest im Kapitelsaal im Kloster Kastl am 8. Januar 1323. Die Marktrechts- verleihung an den Bürgermeister, der Ritterschlag für besonders tapfere Kämpfer durch Seyfried Schweppermann (befohlen durch den Kaiser), die Stiftung der Glocke und schließlich eine große Festtafel im Refektorium des Klosters sind Höhepunkte dieses Aufzuges. Eine lange Dankesrede und ein zukunftsweisender Ausblick des Kaisers beenden das Spiel mit der Nationalhymne.

Am 9. August 1937 war zu einer ersten Sitzung des Heimatspielausschusses geladen.
Mitglieder aus Kastl waren:

Pfarrer Kornburger
Oberlehrer Moller
Oberinspektor Renner
Kaufmann Heigl
Gastwirt Michael Renner
Kaufmann Friedreich Prinz
Kaminkehrer Hönle
Mühlbesitzer Plank
Baumeister Wiesner
Obersekretär Weichenhain
Bäckermeister Lotter
Lagerhausverwalter Mätzner
Ferner aus Pfaffenhofen:
Ortsgruppenleiter Hölldorfer
Brauereibesitzer Gehr
Josef Hollweck
Anwesend war auch der Verfasser des Stückes, Oberstudienrat Wiedenbauer

Nicht erschienen bzw. entschuldigt waren die Herren:
Oberlehrer Moller, Lagerhausverwalter Mätzner, Kaminkehrer Hönle, Ortsgruppenleiter Hölldorfer, Mühlbesitzer Plank, Brauereibesitzer Gehr, Obersekretär Weichenhain, Hollweck Josef

Bei dieser ersten Sitzung sah man es für notwendig an, einen größeren Ausschuss mit mehreren Unterabteilungen zu schaffen.
In den Werbeausschuss wurden gewählt: Heigl, Prinz und Weichenhain. Der Ausschuss für Geldbeschaffung bestand aus den Herren Mätzner, Renner und Wiesner. Man beschloss, sich an die auswärtigen Brauereien, die das Bier nach Kastl liefern, mit der Bitte um einen Zuschuss zur Vorbereitung des Spiels zu wenden und Zuschüsse von der Gauleitung der Bay. Ostmark und der Gemeinde zu erstreben. Im Übrigen sollen die Mittel durch Vorschüsse , die aus den Einnahmen zurückzuholen seien, aufgebracht werden. Solche Vorschüsse erhoffte man sich in erster Linie von den Geschäftsleuten des Nahrungsmittelgewerbes und den Kaufleuten von Kastl.

Der Spielausschuss selbst setzte sich aus den Herren Hölldorfer, Krämer und Moller zusammen. Auch die Spiel- termine waren bereits festgelegt. Es sollte erstmals stattfinden an Christi Himmelfahrt 1938, ebenso an Pfingsten 5./ 6. Juni und am Dreifaltigkeitssonntag 12. Juni 1938.
Auch die Verteilung der Rollen wurde angesprochen und man schlug vor, dass der Spielausschuss eine Leseprobe mit den Trägern der Hauptrollen vereinbaren sollte.
Pfarrer Kornburger stattete dem Verfasser Georg Wiedenbauer noch den Dank für seine Verdienste um das Entstehen des Heimatspieles ab.

Von einer Aufführung wird allerdings nirgendwo berichtet. Der Grund hierfür lässt sich nur schwer ergründen. Vielleicht lag es allgemein an der Stimmung im Deutschland des 3. Reiches oder aber an den allgemeinen Kriegsvorbereitungen und der Einberufung vieler junger Menschen im Jahr vor Kriegsbeginn.
Es dauerte jedenfalls bis zum Jahre 1951 als man den Dichterarzt Dr. Heinz Schauwecker aus Berching gewinnen konnte, einen neuen Text für ein Heimatspiel zu schreiben. Warum man nicht auf das Spiel von Georg Wiedenbauer zurückgriff, ist nicht bekannt; der Text galt jedoch lange Zeit als verschollen.

Das Bild zeigt einige der verantwortlichen Persönlichkeiten bei einer Unterhaltung während der Premierenvorstellung 1953.

Von links nach rechts:
Lagerhausverwalter Mätzner, Apotheker Kramer, Dr. Heinz Schauwecker, Dr. Erich Kraus

Als Veranstalter trat damals der Verkehrsverein auf. Die führenden Persönlichkeiten des Vereins waren damals Dr. Erich Kraus, Lagerhausverwalter Mätzner, Apotheker Kramer und Hauptlehrer Ludwig Siegl. Regie führte Herrn Gustav Altnöder vom Stadttheater Regensburg.
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Dr. Heinz Schauwecker Autor des Schweppermannspiels Kastl
„Oberpfälzer Jura-Kurier“, Ausgabe Nr.4 vom 10. Juni 1956

„… Als die Kastler Heimatfreunde mich zum Ende 1952 mit ihrem Wunsch nach einem Heimatspiel überfielen, ging es mir wie dem Kalb, das nicht in den Stall will und sich mit allen Vieren gegen den Strick stemmt. Ich wollte nicht herangehen und sagte schließlich, nur um nicht ihre hoffnungsfreudige Begeisterung gar zu sehr zu enttäuschen, nicht ihre freundliche Aufgeschlossenheit zu kränken, am Ende zu, den vorgeschlagenen Schauplatz zu besuchen und zu besehen. Die Zeit mit ihrer damals noch sehr heftigen Feindseligkeit gegen alles Heimat- und Volksnahe, mit ihrem Überschwang für Surrealistik, gegenstandslose Kunst und Urwaldrhythmik, mit ihrer politischen Gehässigkeit gegen jeden zaghaften Versuch zwischen Amerikanismus und Sowjetismus eine eigenstämmige Haltung zu behaupten schien mir in ihrer rein materialistischen Einstellung zu sehr der idealistischen Seelenstimmung entgegen zu sein, aus der allein ein Spiel erwachsen und Erfolg haben konnte, dessen tiefster Sinn die Treue zur angestammten Wesensart und die Liebe zur Heimat sein müsste. Mit wenig Erwartung und noch geringerem innerem Auftrieb fuhr ich eines Tages über Neumarkt unterm Wolfenstein vorbei gegen Kastl …
Als sich dann plötzlich der Blick auftat auf die ragende Klosterburg, hielt ich überwältigt an und genoss frohen Herzens den packenden Anblick. Die tiefe Freude an der Schönheit unserer Oberpfalz war in mir aufgewacht. Als ich dann mit dem nimmermüden Werber für Kastls Namen, meinem Arztkollegen Dr. Erich Kraus, dem heimatverwachsenen Lehrer Siegl und anderen Befürwortern eines Kastler Heimatspieles hinaufstieg zu dem machtvollen Klosterbau, … tat sich ein schöner Blick um den anderen auf. Zwei Plätze schon boten Möglichkeiten zur Freilichtaufführung, aber als sich der innere Klosterhof mit seiner imponierenden Raumweite und zugleich geballten Geschlossenheit darbot mit dem Münster und seinem hochragenden Glockenturm, den Bogen des einstigen Kreuzganges, da wusste ich mit einem Mal: das ist die idealste Freilichtbühne, die es geben kann. Keine Änderung tut not. Alles ist, wie es sein muss. Ich sah die ernsten Mönche mit ihren Schülern wandeln, die Gestalten meines Schweppermannromanes „Herr Seyfried, Frau Kathrein und der König“ tauchten aus der Vergangenheit auf und gewannen neues Leben. Überrannt aller innerer Widerstand zusammen samt allen Bedenken. Ich verstand die Begeisterung meiner Begleiter für ihr Kastl und der Gedanke des Schweppermannspieles hier vor diesem naturgeschenkten, erinnerungsreichen Hintergrund ergriff mich mit unwiderstehlich. …
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nach Hermann Römer
Die Schweppermannspiele 1953 bis heute …

Aus Anlass des 850jährigen Bestehens der Klosterkirche plante man im Jahre 1953 die Aufführung eines Heimatspieles in Kastl. Die Vorstandschaft des Fremdenverkehrsvereins, vertreten durch Herrn Dr. Erich Krauß, konnte Herrn Dr. Heinz Schauwecker aus Berching als Autor gewinnen. Der Dichterarzt war schon als Verfasser der „Berchinger Festspiele“ und des „Haug von Parsberg“ bekannt geworden. Auch mit den geschichtlichen Gestalten um Kastl und Pfaffenhofen hatte er sich befasst. Nach vielen gesammelten Eindrücken auf der Burg und überwältigt von der legendären Figur des Seyfried Schweppermann reifte bald ein Stück, in dem die Vergangenheit von Kastl zu neuem Leben erwachen sollte: Das Kastler Schweppermannspiel. Der innere Klosterhof mit seiner imponierenden Raumweite und das Münster mit seinem hochragenden Glockenturm, die Bogen des einstigen Kreuzganges erschienen als die ideale Freilichtbühne.
Als am 12. Juli 1953 Fanfarenklänge den Beginn der Spiele ankündigten, weilten hohe Gäste unter den Besuchern. Staatsminister Dr. Hoegner, Regierungspräsident Dr. Ulrich, Landrat Dr. Schedl, der Verfasser Dr. Schauwecker und als Spielleiter Gustl Altnöder vom Stadttheater Regensburg. Der große Erfolg ließ in der Spielleitung – hier ist besonders Herr Ludwig Siegl zu nennen – und bei den über 150 Laiendarstellern den Entschluss wachsen, das Festspiel in regelmäßigen Zeitabständen zu wiederholen. So konnte bereits im Jahre 1956 die zweite Spielsaison angekündigt werden … 1960 luden zum dritten Mal Fanfarenstöße neuen Spielzeit …
Doch schien damit die erste Welle der Begeisterung etwas verflacht. Es sollte 13 Jahre dauern, bis sich im Ort wieder genügend Idealisten fanden, die Spiele neu zu beleben. Wieder galt es, ein geschichtliches Ereignis zu würdigen. 1973 konnte der Ort seine 650-Jahrfeier der Markterhebung begehen. Gab es einen willkommeneren Anlass, das Spiel neu aufleben zu lassen, da die Marktrechtsverleihung doch auch ein Thema des Stückes umfasste? … Der überwältigende Besuch gab den Veranstaltern Recht. Die Kastler Schweppermannspiele hatten ihren Platz im Kreis der bekannten Heimatspiele erobert. … Doch nach 20 Jahren – von 1953 an gerechnet – war auch die erste Spielergeneration beträchtlich geschwunden. Nur schwer war es damals schon möglich, die Rollen zu besetzen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass es bis zum Jahre 1987 dauern sollte, bis wieder einige Idealisten den Entschluss fassten, einen Neubeginn zu wagen. Als Anlass könnten der 650. Todestag Seyfried Schweppermanns gelten, der um diese Zeit zu legen ist, oder auch die 35 Jahre, die seit der ersten Aufführung 1953 vergangen sind.
Erneut sollten zehn Jahre vergehen bis 1998 wieder an ein Schweppermannspiel gedacht wurde. Die Kastler Schweppermann-Spiele 2003 feierten am 12.Juli Premiere und dauern bis zum 27. Juli. Die Tribüne bot 940 Besuchern Platz. Insgesamt hatten etwa 10.000 Gäste die Schweppermann-Spiele in Kastl besucht.
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nach Hermann Römer
Der geschichtliche Hintergrund des Spiels

Kaiser Ludwig der Bayer (1314-1347) kam, als sein Vater, der Bayernherzog Ludwig der Strenge, 1294 starb, zur Erziehung nach Wien an den Hof des Habsburgerherzogs Albrecht. Dort wuchs er an edler Sitte, ritterlichem Wesen und fürstlichem Anstand sich auszeichnend heran und mit ihm sein Vetter, der ziemlich gleichaltrige junge Habsburger Friedrich und dessen 4 Jahre jüngerer Bruder Leopold. Besonders Ludwig und Friedrich schlossen damals innige Freundschaft und teilten Bett, Tisch und Spiel zusammen. Diese Freundschaft erhielt jedoch einen schweren Stoß durch den Streit um die Vormundschaft über die niederbayerischen Prinzen. Beide, Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne von Österreich, beanspruchten dieselbe. Jener Streit konnte nur mit Waffengewalt entschieden werden. Friedrich fiel mit seinem buntgewürfelten Heere in Bayern ein, wurde aber bei Gammelsdorf 1313 von Ludwig dem Bayer entscheidend geschlagen. Von nun ab zählte der bisher wenig bekannte Bayernherzog Ludwig zu den gefeiertsten Namen Deutschlands. Als bald darauf der deutsche Königsthron zu besetzen war, wurde Ludwig am 20. 10. 1314 zu Frankfurt für denselben auserkoren. Anlässlich dieser Wahl hat Ludwig der Bayer dem Böhmenkönig Johann, der ja zugleich Kurfürst war, das Egerland verpfändet. Es ist seitdem nicht mehr aus dem Verband der Böhmen losgekommen und noch heute zur Tschechischen Republik gehörig. Eine Minderheit wählte Friedrich den Schönen von Österreich. Am 25.11.1314 war beider Könige Krönung, Ludwig wurde in Aachen durch den Erzbischof von Mainz zum König gesalbt, Friedrich wurde bei Bonn auf offenem Felde auf einem Fasse stehend durch den Erzbischof von Köln gekrönt und zum König ausgerufen. (Aachen und Frankfurt verweigerten Friedrich den Zutritt). So hatte das Reich zwei Herrscher, zwischen denen das Schwert entscheiden musste. Bis ins Jahr 1322 hinein blieb das jahrelange Ringen um die Königskrone unentschieden. Da beleuchtete endlich die Sonne des 28. September 1322 den Entscheidungssieg der Bayern. Die Österreicher besetzten zuerst die Gegend um Mühldorf. Sie wollten den Zuzug weiterer Hilfstruppen, die unter Friedrichs Bruder Leopold vom Lech herangezogen kamen, abwarten. Da nahte Ludwig mit seinem Heere. Auf Ludwigs Seite kämpften König Johann von Böhmen und der Burggraf Friedrich von Nürnberg. Dieser war der eigentliche Sieger, denn er brach aus einem Hinterhalt vor und fiel den Österreichern, die Schlacht schon gewonnen glaubten, in die Seite. Jubelnd wurde er von Friedrichs Truppen als der sehnlichst erwartete Leopold begrüßt. Um so schrecklicher war jedoch die Enttäuschung. Nach heldensmütigstem Kampfe unterlag Friedrich. Konrad Rindsmaul nahm ihn gefangen. Ludwig der Bayer ließ seinen Gegner und ehemaligen Jugendfreund Friedrich auf die Burg Trausnitz (bei Pfreimd/Oberpfalz) bringen. Ludwig der Bayer wurde nun allgemein als deutscher König anerkannt. 1325 ernannte er Friedrich den Schönen zum Mitregenten. Der Habsburger Friedrich war bis zu seinem Tode (1330) wirklich Deutscher König neben Ludwig; an der Regierung aber nahm er nicht teil, 1328 zog Ludwig der Bayer nach Rom. Dort erhielt er aus den Händen der Vornehmsten der Stadt die Kaiserkrone.

Seyfried Schweppermann, gest. 1337, stand als erfahrener Feldherr Ludwig dem Bayern mit Rat und Tat sowohl 1313 in der Schlacht bei Gammelsdorf, als auch 1322 in der Schlacht bei Mühldorf und Ampfing treu zur Seite. Bei der Verteilung der spärlich vorhandenen Lebensmittel nach erfochtenem Siege bei Mühldorf (1322) soll Ludwig der Bayer die bekannten Worte gesprochen haben: „Jedem Mann ein Ei, dem frommen (tapferen) Schweppermann zwei!“ Ludwig der Bayer war ein Freund und Gönner des Klosters Kastl. Er weilte dreimal auf der Klosterburg, 1319, 1321 und 1323. 1319 starb in Kastl sein dreijähriges Töchterlein, Prinzessin Anna. Das Königskind wurde in der Klosterkirche beigesetzt und ist heute noch als Mumie zu sehen. 1321 hat Ludwig der Bayer die Grabstätte seines Töchterleins Anna, anlässlich einer Reise nach Böhmen, besucht. 1323, am 8. Januar, kam König Ludwig mit seinen Getreuen und Tapferen nach Kastl, sie feierten in der Klosterkirche das Dankfest wegen des bei Mühldorf errungenen Sieges gegen Friedrich den Schönen von Österreich. An diesem Tage ertönte erstmals die große Glocke („Kaiserglocke“ oder „Stürmerin“ genannt).

Am 6. 1. 1323 wurde durch Ludwig den Bayern Kastl zum Markt erhoben. Das Kloster Kastl leiteten damals: Abt Siboto von Hainthal 1306 - 19. 3. 1322, Abt Hermann 20. 3. 1322 - 1356.
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nach Josef Schmaußer
Kaiser Ludwig der Bayer

Am Montag nach dem Fest Heilige Drei Könige feiern die Einwohner Kastls traditionsgemäß das „Kastler Recht“. Am 12. Januar 1998 konnten die Kastler bereits den 675. Jahrestag der Erhebung ihres Ortes zum Markt begehen. Der Markt Kastl verdankt dieses Ereignis der besonderen Beziehung des Deutschen Kaisers Ludwig des Bayern zum Kastler Kloster und dessen damaligem Abt Hermann, der „des Kaisers Freund und Gevatter“ genannt wird. Der bayerische Herzog Ludwig IV. war einer von drei Wittelsbachern, denen es gelang deutscher König (ab 1314) und Kaiser (ab 1328 bis 1347) zu werden. Am 9. November 1313 besiegte Ludwig mit seinem berühmten Kastler Feldhauptmann Seyfried Schweppermann bei Gammelsdorf das österreichische Heer. Der Königswahl im folgenden Jahr folgten jahrelange Thronstreitigkeiten. Auch mit dem zweiten Papst von Avignon, Johannes XXII, hatte der neugewählte König große Differenzen. Der Papst sprach Ludwig den Königstitel ab und verhängte den Kirchenbann und die Exkommunikation. Der Papst nannte den Geächteten nur noch „Bavarus“, der Bayer. Der Name war abwertend gedacht, sollte aber zum Ehrentitel werden. Kaiser Ludwig der Bayer starb am 11. Oktober 1347 bei einer Bärenjagd in der Nähe von Fürstenfeldbruck.
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nach Josef Schmaußer
Seyfried Schweppermann
  „Jedem ein Ei, dem frommen Schweppermann zwei!“ Jedes Schulkind kennt diesen Ausspruch, der Kaiser Ludwig dem Bayern in den Mund gelegt wird, als nach der Schlacht bei Mühldorf am 28. September 1322 Eier an die erschöpften Kämpfer verteilt wurden. Der Berchinger Dichterarzt Dr. Heinz Schauwecker hat dem Feldhauptmann in seinem „Kastler Schweppermann-  
Spiel“ ein literarisches Denkmal gesetzt. 2008 wurde das Spiel letztmals im Hof der Klosterburg zu Kastl aufgeführt. Schweppermann wurde um das Jahr 1260 geboren. Das Geschlecht der Schweppermänner nannte sich früher nach Hulloch (Hillohe), südlich von Lauterhofen. Um 1280 vermählte er sich mit Katharine Rindsmaul von Nürnberg. Der junge Mann widmete sich früh dem Kriegsdienst und erwarb sich das Vertrauen Königs Ludwig des Bayern, dessen Feldhauptmann er wurde. Das Prädikat „Fromm“, das ihm seine Zeitgenossen zubilligten, soll zeigen, dass er ein gewissenhafter, redlicher und tapferer Mann gewesen ist. Seine erste große Bewährung bestand Schweppermann in der Schlacht bei Gammelsdorf 1313 gegen die Österreicher. Schweppermann hielt sich in der Folgezeit meist auf seiner Burg in Deinschwang bei Neumarkt auf. Dort starb er im Jahre 1337. Seine letzte Ruhestätte fand der berühmte Nordgauritter in der Klosterkirche zu Kastl. Die originale Grabplatte aus rotem Marmor und die Ehrentumba aus dem Jahr 1782, sowie eine Bildtafel erinnern an den berühmten Feldhauptmann.

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nach Josef Schmaußer
Das kurze Leben des Kaiserkindes Anna

Kaiser Ludwig der Bayer hielt sich mehrmals in der Oberpfalz auf. Am 4. Januar 1319 schloß der Kaiser in Amberg mit dem Burggrafen Friedrich von Nürnberg einen Vergleich. Von dort reiste der Regent in Begleitung einiger seiner Kinder und wohl auch seiner ersten Gattin Beatrix von Schlesien nach Kastl weiter. Hier erkrankte das jüngste seiner vier Kinder aus erster Ehe, die kleine, dreijährige
Anna und verstarb am 29. Januar.

Den Schmerz der Eltern hat Dichter J. G. Hierl in folgende Verse gekleidet:

„Einst klopfte er zu Kastl mit Weib und Kind ans Tor
Doch ach, da kam den Gästen der grimme Tod zuvor,
Der nahm den kleinen Engel der Mutter aus dem Arm,
Es trauerten die Mönche, tief war des Vaters Harm.“

Das Kind wurde nicht in die Residenzstadt München überführt, sondern in die Obhut der Kastler Mönche gegeben. Vielleicht hatte der Kaiser noch weitere Reiseziele, so daß an eine Überführung nach München nicht zu denken war. Der Leichnam wurde nach damaliger Sitte und der hohen Herkunft entsprechend einbalsamiert.

Die Tumba der Prinzessin Anna

Ursprünglich war der Leichnam des Kindes in einem zinnernen Sarg bestattet. Dieser war in einem Steinmal versenkt. Der Platz dieser Tumba war mitten im Schiff der Klosterkirche vor dem Kreuzaltar. Der uralte Altar wurde im Jahre 1679 abgebrochen. Im Jahr 1715 ließen die Jesuiten den Leichnam der Prinzessin aus dem Hochgrab herausnehmen und in einem Eichenschrank aufbewahren. Die ursprüngliche Tumba wurde anscheinend damals beseitigt. Erst 1829 fand man den einstens entfernten Aufbau in einer Scheune wieder. Die Auflösung der teilweise in gotischen Großbuchstaben, sogen. Majuskeln, abgekürzt wiedergegebenen Inschrift auf dem Grabmal aus Sandstein lautet:

ANNO - D[OMIINI - M - CCC . XIX . III
K[A]L[ENDIS] - FEBR[VARII] O[BIIT] ANNA -
FILIA - LVD[OVICI] - REGIS ROMANORVM

Die Übersetzung lautet:
„Im Jahre des Herrn, am 30. Januar 1319, verstarb Anna, die Tochter des römischen Königs Ludwig.“ Das Sterbedatum wird in der Literatur meist mit dem 29. Januar 1319 angegeben. Nach Grotefunds „Taschenbuch der Zeitrechnung“ muß die Umrechnung des eingemeißelten Datums aber „30. Januar 1319“ lauten (Auskunft von Dr. J. Laschinger).
Das Grabmal der Prinzessin Anna steht heute im sog. Paradies, einer Art Vorhalle der Kastler Klosterkirche. Die Steinplatte ist mit einer der ältesten Stabkreuzplatten unserer Heimat geschmückt. Die heute leider sehr beschädigte Steinplatte mißt 1,13 m in der Länge und 63 cm in der Breite. Diese Grabdenkmäler waren für die damalige Zeit, Mitte des 13. bis ausgehendes 14. Jahrhundert, charakteristisch. Eine Tumba war stets nur hochgestellten Persönlichkeiten vorbehalten. Das beherrschende Motiv von Stabkreuzplatten ist ein erhabenes Hochkreuz im Flachrelief, dessen Fuß aus einem gotischen Dreiberg, einem sogen. Dreipaß, besteht. Die Balken des Kreuzes verbreiten sich in rautenför-mige Nasen und enden in Blattmotiven, vielleicht Lilien. Die kurze Stange mündet in den erwähnten Dreipaß, der wieder, auf den Innenseiten, mit je einer dreiblättrigen Blume geschmückt ist. Die Tumba ist an den Seitenwänden mit genasten Spitzbogenblenden verziert.
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nach Josef Schmaußer
Der Mumienschrein mit dem Kaiserkind

Wie schon erwähnt ließen die Jesuiten die Mumie der Prinzessin 1715 in einen hölzernen Schrank verbringen, der heute ebenfalls im Paradis, der Vorhalle, steht. Neben dem Grabmal Seyfried Schweppermanns erregt der Mumienschrein mit dem Kaiserkind Anna die meiste Aufmerksamkeit. Der als Mumie erhaltene Leichnam der Prinzessin Anna in der Kastler Klosterkirche bewegt auch heute noch die Besucher aus nah und fern. J. G. Hierl schreibt am Ende seiner gefühlsbetonten Abhandlung über das Mumienkind von Kastl: „Mit erhebenden Gefühlen scheiden wir vom Grabe des Mumienkindes.
Der Hauch ruhmreicher geschichtlicher Erinnerungen umschwebt uns an dieser hl. Stätte, einer der denkwürdigsten der Oberpfalz und ruft ins Gedächtnis die Verse:

„Der Wandrer steht voll Rührungan deinem schlichten Schrein,
ergriffen wie zu Speyer im Kaiserdomam Rhein,
und spricht: Schlaf wohlam Berge zu Kastl weich und lind,
bis einst die Särge springen, du holdesKaiserkind!
Rings steh’n die Nordgauberge und ihre Halden blüh’n,
zum Grab der Kaisertochter der Wandrer viele zieh’n.
Ihr Grab steht noch im Ruhme, wenn sie verschollen sind.
Doch einst auf Wiedersehn! Du holdesKaiserkind!“
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nach Josef Schmaußer
Abt Hermann

Abt Hermann, ein „Gevatter“ und Freund des Königs spielte am Hof eine einflussreiche Rolle. Mehrere Urkunden bezeugen seine Nähe zum König. Auch nach der Exkommunikation des Königs durch Papst Johannes XXII. am 24. März 1324 stand er treu zur Sache des Herrschers und begleitete ihn auf seinem Zug nach Rom zur Kaiserkrönung am 17. Januar 1328. Auf der Rückreise gründete Ludwig der Bayer das Kloster Ettal. Es dürfte kein Zufall gewesen sein, daß der erste Abt und die Mönche dieses Klosters aus dem kastlischen Tochterkloster Reichenbach am Regen kamen.
Unter Abt Hermann, er stand dem Kloster Kastl von 1322 bis 1356 vor, erlebte das Benediktinerkloster Kastl seine Glanzzeit. 1325 wurde dem Abt das Recht verliehen, Inful (Mitra) und Stab zu tragen. Berühmt wurde die von Abt Hermann um 1342 verfaßte „Kastler Reimchronik“. Mit 700 deutschen Versen beschreibt Abt Hermann die Geschichte des alten Nordgaues.
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nach Hermann Römer
Die Stiftung der Glocken

Man schrieb das Jahr 1322, den 28. September. In den Flußauen von Ampfing bei Mühldorf tobte die letzte große Ritterschlacht auf deutschem Boden. Seit Wochen waren sich die beiden Heere gegenübergelegen. Friedrich der Schöne von Österreich wollte König Ludwig dem Bayern die Krone streitig machen. In dieser Schlacht sollte die Entscheidung fallen. Und es sah nicht gut aus für Ludwig den Bayern, denn die Obermacht des Gegners war groß. Doch auf der Seite Ludwigs standen edle und kampferprobte Ritter aus dem Nordgau, unter ihnen auch der wackre Feldhauptmann Seyfried Schweppermann und der Burggraf von Nürnberg.
Weitab vom Kampfgetümmel, im Nordgau und vielleicht auch im Kloster Kastl warteten die edlen Frauen der Nordgauritter in Sorge auf die erlösende Nachricht über den Ausgang des Krieges. Sie, Seyfried Schweppermann, König Ludwig der Bayer und auch Hermann, der gewaltige Abt des Klosters Kastl, hatten Gott in einem Gelübde das Versprechen gegeben, sie wollten bei einem Sieg eine gewaltige Glocke für die Kirche des Klosters Kastl gießen lassen. Sie sollte mit ihrem edlen Klang den Dank an Gott für die Gnade des Sieges weit in die Welt hinausrufen.
„Unter den Gutthätem zur Verfertigung dieser Glocke wird eine Guttuta von Lotterbach aufgeführt. – sie hat viel köstlich Metall von Silber geben.“ (Ignaz Brunner)
Und Gott war Ludwig dem Bayern und den Nordgaurittern gewogen. Er schenkte ihnen den Sieg und Ludwig die Königs- und später die Kaiserkrone.
Von der Siegesfeier in Kastl berichtet Ignaz Brunner in seiner Chronik „Das Merkwürdigste von der Herrschaft, dem Gotteshause und Kloster Kastl im Regenkreise Bayerns“.
Im Jahr 1323, am 6. Jänner, dem Feste der Erscheinung des Herrn, kam König Ludwig, der Bayer, umgeben von vielen seiner Getreuen und Tapfem, nach Kastel, und feierte in unsern alten Gotteshause das Dankfest wegen des bei Mühldorf, im dennatigen lsarkreise Bayems am 28. September 1322 erfochtenen und in den Annalen unsers Vaterlandes ewig denkwürdigen Sieges gegen des schönen Friedrich’s, des Oesterreichers, Heer.
An diesem festlichen Tage ertönet zum ersten Male die große Glocke, zu deren Beischaffung neben Abten Hermann und dem Kloster Kastel viele Ritter und Edle, nicht minder Ludwigs Feldhauptmann, Anführer des bayerischen Heeres, Seyfried Schweppermann, die ergiebigsten Beiträge gemacht hatten, zur And-Icht und festlichen Freude.
„Noch heut ruft dieß bei underungswürdige Kunstwerk des Alterthums und fromme Denkmal der Dankbarkeit für den in erwähnter Schlacht den Bayem und ihrem allgeliebten L u d w i g verliehenen göttlichen Schutz mit weit hörbarem majestätischem Klange die Christenschaar zum Tempel des Herm.
An diesem nämlichen Siegesfeste erhob Kaiser Ludwig den Ort Kastel zu einem Markt, und verlieh ihm zugleich Wochenmarkts-Gerechtigkeit …“
Die größte Glocke, die sog. Stürmerin oder Kaiserglocke oder volkstümlich der Sturmara, hat einen Durchmesser von 140 cm, mit den Kronbögen ist sie 160 cm hoch.
Das Gewicht beträgt 3.300 kg, also etwa 66 Zentner. Der Schwengel allein soll über 2 Zentner haben.
Nach Feststellungen von Wolfram Menschick, dem Glockensachverständigen der Diözese Eichstätt, erklingt sie im Ton "e".
Ihre Umschrift zwischen vier Reifen in gotischen Majuskeln lautet: Im Jahre des Herrn 1322 ist dieses
Werk unter Abt Hermann vollendet worden, wobei Christus mit uns war.
Der Mantel ist mit einem Rautenmuster in großen Formen überzogen, die durch leicht erhöhte Linien gebildet werden. Am Rand sechsblättrige Rosetten (heute fast nicht mehr zu erkennen).

Die genagelte Kaiserglocke (Sage)

Die Kaiserglocke hatte nach ihrer Fertigstellung einen ungewöhnlich guten und harmonischen Klang. Bis weit über die Grenzen des Marktes Kastl hinaus konnte man sie hören. Ja sogar bis „ins Böhm“ soll sie zu hören gewesen sein. Das bedeutete im Kriegsfall eine besondere Gefahr für die Oberpfalz und Kastl. Deshalb hat man später einen Hufnagel in die Glocke geschlagen, „damit nicht durch den Klang dieser Glocke der Feind aufmerksam werde und einen Einfall in die Oberpfalz unternehme.“